Informativer Bericht / Interview
über Ebonit und Yamaha-Custom-Mundstücke
aus einem Werbeprospekt der Firma Yamaha
- Was ist Ebonit für ein Material ?
Ebonit gibt es schon
seit recht langer Zeit. Heutzutage wird es durch Kunststoff ersetzt, so
dass Ebonit langsam seine Stellung zu verlieren scheint.
Es ist weniger hart
als Phenolharze, aber es hat in seiner Molekularstruktur einen sehr dichten
Aufbau und ist von daher sehr resistent gegen Korrosion – weitaus mehr
als Kunststoff – und es ist auch von der Stabilität her überlegen.
Ebonit stellt man
her, indem man ein Naturkautschuk-Schwefelgemisch in einem Ofen erhitzt
und entsprechend verformt. Das klingt zwar einfach, jedoch ist der Naturkautschuk
am Anfang sehr hart und muss fein zermahlen werden, bevor man Ihn mit Schwefel
mischt.
Das fertige Gemisch
wird in eine metallene Mundstückform getan und zunächst bei 100
bis 200 Grad etwa 15 Minuten erhitzt. Anschließend wird die Form
entfernt und der Inhalt wieder im Ofen, diesmal etwa eineinhalb Tage lang,
erhitzt. So können die zwei Substanzen ganz langsam miteinander reagieren
und das Ebonit bekommt seine hohe Dichte.
Hierbei muss aber
beachtet werden, dass ein Mundstück in seiner Form an verschiedenen
Stellen unterschiedliche Größen besitzt. D.h. das Mundstück
härtet dementsprechend unterschiedlich schnell aus. Daher ist es nötig,
den Aushärtungsprozess ständig zu kontrollieren und gegebenenfalls
die Temperatur zu modifizieren.
Auch das Mischverhältnis
der zwei Substanzen muss von Anfang an korrekt sein. Denn, auch wenn das
Mundstück nach der Erhitzungsphase seine Form erlangt, reicht eine
minimale Veränderung der Mischverhältnisse, um das Endprodukt
in seiner Konsistenz und seinen Ausmaßen zu beeinflussen. Ist das
Ergebnis nicht zufriedenstellend, wird der gesamte Prozess neu gestartet.
- Sie suchen also einerseits nach idealen Mundstückformen, andererseits aber auch nach der besten Abstimmung der Grundmaterialien?
Ja es gibt natürlich
auch die Möglichkeit, das Anfangsgemisch bis zum Ende des Prozesses
in der Metallform zu lassen. Dies hätte den Vorteil, dass der Grad
der Verformung während des Erhitzens weitaus geringer wäre, aber
es würde die Herstellung von absolut exakten Metallformen erfordern.
Wir haben nach umfangreiche Testreihen den etwas umständlicheren Weg
eingeschlagen. Bis wir die Abstimmung der Grundmaterialien sowie die richtige
Temperatur des Ofens u.s.w. optimieren konnten, brauchte es dreieinhalb
Jahre.
- Worin besteht die Verbindung zwischen High Tech und Handarbeit in diesem Zusammenhang ?
Nachdem man das Mundstück
eineinhalb Tage erhitzt hat, wird es in seine endgültige form angepasst.
Hierbei muss gesagt werden, dass man ein Mundstück durch minimalen
Schliff (es reicht ein fünfzigstel Millimeter) im Klang beeinflussen
kann., wobei der Bahnbereich besonders empfindlich ist.
Freilich kann man
da nicht mit Sandpapier arbeiten. Für diesen Zweck brachten wir ein
computergesteuertes Gerät in die Produktion ein, welches die Oberfläche
mit einer Genauigkeit eines tausendstel Millimeters radieren kann. Doch
es entstand ein weiteres Problem: Das Gerät funktionierte einwandfrei,
aber das Ebonit erlaubte durch seine elastische Eigenschaft keinen exakten
Schliff.
Die Elastizität
musste bei der Berechnung des Schliffs eingerechnet werden. Und dennoch
muss ein Teil, nämlich die Vorderkante der Bahn, per Hand geschliffen
werden.
Auch eine noch so
genaue Maschine kann die menschliche Handarbeit in diesem Fall nicht ersetzen.
So gesehen wird deutlich, dass zwar die Yamaha Mundstücke eine sehr
hohe Präzision haben, es bleibt jedoch eine individuelle Komponente
bestehen.
- Was sind die besonderen Merkmale dieser neuen Mundstücke?
Während die
herkömmlichen Mundstücke, die mit unseren Custom-Saxophonen ausgeliefert
wurden , einen eher dunklen Klang hatten, klingen die nach dem neuen
Verfahren produzierte Mundstücke eher heller, offener und voluminöser.
Auch die Ansprache des Mundstücks ist besser geworden. Dies ist insbesondere
im altissimo-Register von Vorteil, welches viele Musiker als stilistische
Variante gerne verwenden. Die neuen Yamaha-Mundstücke eignen sich
darüber hinaus für vielfältige, musikalische Anwendungen
wie für Klassik als auch für Jazz und Pop. Sie können sie
sehr aggressiv blasen, aber auch bis hin zu den Subtones alle Nuancen des
Spiels praktizieren. Entscheidend ist, dass Sie die jeweils richtige Kombination
aus Bahnlänge (z.B. 5C oder 6C) und Blättchen wählen. Die
neuen Yamaha Mundstücke sind von Ihrem Charakter her recht flexibel
und gestatten eine Vielzahl von Kombinationen für Ihren eigenen Sound.
- Warum verwenden Sie keine Vergleichstabellen.
Wenn man Vergleichstabellen
aufstellen würde, kann man lediglich eine sehr beschränkte Aussage
treffen. Dies beginnt beispielsweise mit der Festlegung der Vergleichskriterien.
Wenn man z.B. die
Bahnlänge und die Bahnöffnung heranzieht, so hat dies eigentlich
keinen Aussagewert.
Vor allem ist der
Kurvenverlauf der Bahnöffnung praktisch nicht vergleichbar.
Auf keinen fall
ließe dies eine vernünftige Schlussfolgerung auf die Klangpersönlichkeit
eines Mundstücks zu. Um zu einer ganzheitlichen Aussage zu kommen,
kommt man nicht umher, sich einen persönlichen Eindruck durch Antesten
zu verschaffen.
Sopransaxophon
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Altsaxophon
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